Nemesis-Archiv   WWW    

Willkommen bei Nemesis - Sozialistisches Archiv für Belletristik

Nemesisarchiv
Robert Tressell – Die Menschenfreunde in zerlumpten Hosen (1914)
http://nemesis.marxists.org

43. Kapitel Juni

Während der ersten Maitage war das Wetter ungewöhnlich schlecht, und es blies ein bitterkalter Wind. Fast täglich regnete es, so dass die Straßen mit Schlamm bedeckt waren, der durch das schlechte Leder der von den Arbeitern getragenen billigen oder altgekauften Stiefel drang. Dieses Wetter bewirkte, dass fast alle Außenarbeiten eingestellt wurden, und es verursachte auch viel Krankheit; denn wer das Glück hatte, mit einer Innenarbeit beschäftigt zu sein, wurde häufig genug morgens auf dem Wege zur Arbeit durchnässt und musste den ganzen Tag über in der feuchten Kleidung und in den wasserdurchtränkten Stiefeln arbeiten. Das Wetter war auch eine Quelle des Ärgers für diejenigen unter den Leuten, die Schrebergärten hatten; denn wäre es schön gewesen, so hätten sie, während sie arbeitslos waren, etwas in ihren Gärtchen tun können.
Newman war es nicht gelungen, eine Arbeit in seinem Beruf zu finden, nachdem er aus dem Gefängnis entlassen worden war; er versuchte aber, mit dem Hausieren von Bananen ein wenig Geld zu verdienen. Wenn Philpot Arbeit hatte, kaufte er oft für einen Sechser oder einen Schilling einige Bananen von Newman und schenkte sie den Kindern Mrs. Lindens. Sonnabends pflegte der alte Joe diesen aufzulauern und ihnen beim Bäcker einige Tüten mit Keksen zu kaufen. Einmal, als Mrs. Linden, wie er wusste, während der Woche nicht viel Arbeit gehabt hatte, dachte er sich einen sehr schlauen Plan aus, um ihr zu helfen. Er hatte mit Slyme zusammen gearbeitet, der in einem Laden eine große hölzerne Decke tapezierte. Sie musste mit ungebleichtem Kaliko beklebt werden, bevor sie tapeziert werden konnte, und als die Arbeit beendet war, hatten sie eine Anzahl schmale Kalikostückchen übrig behalten. Die sammelte Philpot auf und zerriss sie in etwa fünfzehn Zentimeter lange Streifen, brachte sie zu Mrs. Linden und bat sie, die Bänder mit den Enden zusammenzunähen, so dass es einen langen Streifen ergebe; der sollte in vier gleich lange Stücke zerschnitten und mit den Seiten zu einem langen Schlauch aneinander genäht werden. Philpot sagte ihr, das Stück werde zu einer Arbeit gebraucht, mit der Rushton gerade beschäftigt sei, und er habe übernommen, es nähen zu lassen. Die Firma müsse dafür zahlen; Mrs. Linden könne also einen guten Preis berechnen.
„Sehen Sie", sagte er augenblinzelnd. .,das ist mal einer von den Aufträgen, wo wir 'ne Möglichkeit haben. 'n bisschen auf unsre Kosten zu kommen."
Mary dachte, es sei eine recht merkwürdige Arbeit, tat aber, wie Philpot sie geheißen hatte, und als er das Zeug abholen kam und nach dem Preis fragte, sagte sie, es koste drei Pence, die Arbeit habe nur etwa eine halbe Stunde gedauert Philpot meinte, das sei lächerlich und nicht im entferntesten genug. Die wüssten doch nicht, wie viel Zeit es gekostet hatte - sie müsse mindestens einen Schilling nehmen. Nach einigem Zögern schrieb sie also eine Rechnung über diesen Betrag auf ein halbes Blatt Schreibpapier. Am nächsten Sonnabendnachmittag brachte er ihr das Geld und ging, über den Erfolg seiner List in sich hineinschmunzelnd, davon. Erst am nächsten Tag fiel ihm ein, er hätte auch ein oder zwei Schürzen bei ihr bestellen können, und nachdem er daran gedacht hatte, meinte er, es schadete nichts, denn hierfür hätte er neues Kaliko kaufen müssen -und auf jeden Fall, er konnte es ja noch immer ein andermal tun.
Newman machte mit den Bananen nicht sein Glück; selten verdiente er mehr als zwei Schilling am Tag, und deshalb war er sehr froh, als Philpot ihn eines Abends besuchte und ihm mitteilte, bei Rushton gebe es Aussicht auf Arbeit. Am nächsten Morgen ging Newman daher zum Gerätehof und nahm seine Schürze, seinen Kittel sowie seine Werkzeugtasche mit, um gleich zur Arbeit bereit zu sein. Er langte dort gegen Viertel vor sechs Uhr an und wartete schon draußen, als Hunter kam. Der war insgeheim sehr froh, ihn zu sehen, denn es war viel eilige Arbeit hereingekommen, und sie hatten nicht genügend Leute. Selbstverständlich zeigte er das nicht, sondern zögerte einige Minuten, als Newman die übliche Formel hersagte: „Irgend'ne Aussicht auf Arbeit, Mr. Hunter?"
„Wir waren gar nicht zufrieden mit Ihnen, als Sie das letzte Mal bei uns waren, wissen Sie", sagte Elend. „Na, ich will Ihnen noch mal 'ne Chance geben. Aber wenn Sie Ihre Arbeit behalten wollen, müssen Sie sich 'n bisschen fixer bewegen als letztesmal."
Gegen Ende des Monats begann sich die Lage überall zu bessern. Das Wetter wurde wärmer und beständiger. In der nächsten Zeit hielt die Besserung an, und fast alle hatten Arbeit. Die Firma Rushton hatte so viel zu tun, dass sie noch weitere ihrer alten Arbeiter einstellte, die im vorigen Jahr wegen zu großer Langsamkeit entlassen worden waren.
Dank dem Einfluss von Crass galt Easton jetzt als einer der Stammarbeiter der Firma, Er hatte seit kurzem die Gewohnheit wieder aufgenommen, einige seiner Abende in den „Cricketers" zu verbringen. Wahrscheinlich wäre er auch ohne seine Freundschaft mit Crass weiter in das Wirtshaus gegangen, denn zu Hause war es nicht sehr gemütlich. Aus irgendeinem Grunde schienen Ruth und er sich ständig zu streiten, und er war gewiss, dass nicht immer er die Schuld daran trug. Zuweilen, wenn die Tagesarbeit beendet war, ging er mit dem festen Vorsatz nach Hause. sich gut mit ihr zu stellen; auf dem Heimweg beschloss er, ihr vorzuschlagen, sie wollten zuerst Tee trinken und dann gemeinsam mit dem Kind Spazierengehen. Ein- oder zweimal stimmte sie zu, aber jedes Mal stritten sie sich, noch ehe
sie wieder nach Hause gelangten. Daher gab er es nach einer Weile auf, sich gut mit ihr zu stellen, und ging jeden Abend allein aus, sobald er mit dem Tee fertig war.
Mary Linden, die noch immer bei ihnen wohnte, konnte picht umhin zu bemerken, dass sie unglücklich waren; häufig sah sie, dass Ruths Augen rot und geschwollen waren, als habe sie geweint, und sanft bemühte sie sich, ihr Vertrauen zu gewinnen, jedoch ohne Erfolg. Einmal, als Mary versuchte, Ruth einen guten Rat zu geben, brach diese in heftiges Schluchzen aus, wollte aber nicht sagen, was die Ursache war - außer, sie habe Kopfschmerzen, ihr sei nicht wohl - das war alles.
Manchmal verbrachte Easton den Abend in den „Cricketers"; häufig ging er jedoch zu den Pachtgrundstücken hinüber, wo Harlow ein Gärtchen hatte. Harlow pflegte um vier Uhr morgens aufzustehen und ungefähr eine Stunde Gartenarbeit zu verrichten, ehe er zur Arbeit ging, und jeden Abend, sobald er seinen Tee getrunken hatte, ging er wieder dorthin und arbeitete, bis es dunkel wurde. Zuweilen kam er gar nicht zum Tee nach Hause, sondern ging von der Arbeit gleich in den Garten, und seine Kinder brachten ihm den Tee in einer Glasflasche sowie ein Körbchen mit etwas zu essen dorthin. Er hatte vier Kinder, von denen noch keines groß genug war, um arbeiten zu gehen, und wie man sich vorstellen kann, musste er schwer kämpfen, um sich durchzuschlagen. Er war nicht gerade ein Abstinenzler, aber, wie er häufig bemerkte, von dem, was die Schankwirte von ihm erhielten, „konnten sie nicht fett werden", denn häufig verbrachte er ganze Wochen, ohne einen Tropfen zu trinken, außer einem oder zwei Glas Bier zu seinem Sonntagsessen, und das betrachtete er nicht als überflüssige Ausgabe, denn es war fast so billig wie Tee oder Kaffee.
Glücklicherweise konnte seine Frau gut nähen, und sie war ebenso enthaltsam und fleißig wie er; da sie von morgens bis abends ununterbrochen hart arbeitete, brachte sie es fertig, ihr Heim einigermaßen gemütlich zu gestalten und die Kinder sauber und ordentlich zu kleiden; diese sahen stets anständig aus, obgleich sie nicht immer genügend zu essen hatten. So anständig sahen sie aus, dass keine der
Wohlfahrtsdamen sie jemals als „unterstützungswürdige Fälle" ansah.
Harlow bezahlte für sein Grundstück fünfzehn Schilling Pacht im Jahr, und obwohl es viel Arbeit machte, brachte es auch viel Freude und einigen Gewinn. Meistens verdiente er etliche Schilling an den Blumen, und außerdem war seine Familie fast das ganze Jahr über mit genügend Kartoffeln und anderem Gemüse versorgt.
Zuweilen ging Easton hinüber und half Harlow ein wenig bei der Gartenarbeit; ob er aber dorthin ging oder in die „Cricketers", gewöhnlich kehrte er gegen halb zehn Uhr abends heim und begab sich dann sogleich ins Bett häufig ohne ein einziges Wort mit Ruth gesprochen zu haben, die ihrerseits selten mit ihm redete, außer um auf irgend etwas zu antworten, was er gesagt hatte, oder um eine unumgängliche Frage zu stellen. Zuerst dachte Easton, all das sei wegen seines Benehmens zu ihr im Wirtshaus; als er sich jedoch bei ihr entschuldigte - er tat es mehrmals - und sie bat, ihm zu verzeihen und nicht mehr daran zu denken, sagte sie stets, es sei schon gut, es gebe nichts zu verzeihen. Nach einiger Zeit begann er zu denken, es sei. wegen ihrer Armut und wegen des Verlustes ihres gemütlichen Heims, denn während des letzten Winters waren fast alle ihre Möbel verkauft worden. Jedes Mal aber, wenn er davon sprach, er wolle versuchen, neue Sachen zu kaufen, damit es bei ihnen wieder behaglich werde, schien sie kein großes Interesse dafür zu empfinden: das Haus sei ordentlich genug, wie es war; sie kämen sehr gut zurecht, sagte sie gleichgültig.
Als Easton Mitte Juni eines Abends drüben in den Schrebergärten gewesen war, brachte er ihr einen Blumenstrauß mit nach Hause, den Harlow ihm gegeben hatte - einige rote und weiße Rosen, ein paar Stiefmütterchen. Aiser hereinkam, packte Ruth gerade seinen Essenkorb für den"' nächsten Tag. Das Kind schlief in seiner Wiege, die in der Nähe des Fensters auf dem Fußboden stand. Obgleich es beinahe neun Uhr war, hatte Ruth die Lampe noch nicht angezündet, und das trübe, durch das Fenster in den Raurn dringende Dämmerlicht ließ diesen nur noch unbehaglicher erscheinen. Das Feuer war ausgebrannt und der Kaminrost mit Asche gefüllt. Davor lag eine alte Jutematte, die einmal mit bunten Farben bedruckt gewesen, jetzt aber zu fast einheitlichem Grau verschossen war und kaum noch eine Spur des ursprünglichen Musters erkennen ließ. Der Rest des Fußbodens war kahl, bis auf zwei oder drei alte Teppichstücke, die Ruth für einige Pence zu verschiedenen Zeiten in irgendeinem billigen Altwarenladen gekauft hatte. Die Stühle und der Tisch waren fast das einzige, das von der ursprünglichen Einrichtung des Raumes übrig geblieben war, und abgesehen von drei oder vier Tellern verschiedener Muster und Größen sowie von einigen Tassen und Untertassen waren die Fächer des Küchenschranks leer.
Die im Raum herrschende Stille wurde nur durch das Rattern der Räder gelegentlich vorbeifahrender Wagen und durch die merkwürdig deutlich vernehmbaren Stimmen einiger Kinder, die auf der Straße spielten, unterbrochen.
„Ich hab dir die hier mitgebracht", sagte Easton und gab ihr die Blumen. „Ich dachte, vielleicht machen sie dir Freude. Ich hab sie von Harlow bekommen. Du weißt doch, ich hab ihm ein bisschen bei der Gartenarbeit geholfen."
Zuerst dachte er, sie wolle sie nicht nehmen. Sie stand mit dem Rücken zum Fenster am Tisch, so dass er den Ausdruck ihres Gesichts nicht sehen konnte, und zögerte einen Augenblick lang, bevor sie einige Dankesworte stammelte und die Blumen nahm, die sie, kaum dass ihre Hand sie berührt hatte, auf den Tisch legte.
Easton war von ihrer, wie er glaubte, verächtlichen Gleichgültigkeit verletzt und machte keinen weiteren Versuch, sich mit ihr zu unterhalten, sondern ging in die Spülkammer, um sich die Hände zu waschen, und danach hinauf zu Bett.
Noch lange, nachdem er gegangen war, saß Ruth unten allein vor dem kalten Kamin, in der Stille der herabsinkenden Dunkelheit, hielt den Blumenstrauß in der Hand und durchlebte noch einmal, von heftiger Reue gequält, die Ereignisse des letzten Jahres.
Vermutlich bewahrten Mary Lindens und der beiden Kinder Anwesenheit Ruth davor, noch unglücklicher zu sein, als sie es war. Die kleine Elsie hatte mit ihr ein Abkommen getroffen, wonach das Kind mit dem Säugling Spazierengehen durfte und Ruth dafür Elsies Hausarbeit verrichtete. Was Mary betraf, so hatte sie nicht viel Zeit, außer dem Nähen noch irgend etwas zu tun; fast die einzige Entspannung, die sie kannte, war der Heimweg, wenn sie die Arbeit nach Hause brachte, und der Sonntag, den sie gewöhnlich dem Großreinemachen ihres Zimmers und dem Flicken der Kindersachen widmete. Manchmal ging sie Sonntag abends mit Ruth und den Kindern zu Mrs. Owen, die selten aus dem Haus ging, obgleich sie nicht so krank war, dass sie das Bett hüten musste. Sie hatte sich niemals richtig von dem Krankheitsanfall erholt, den sie sich durch die Arbeit in dem Fremdenheim zugezogen hatte. Der Arzt war ein- oder zweimal dagewesen und hatte ihr -Ruhe verschrieben. Sie sollte soviel wie möglich liegen, keinerlei schwere Arbeit verrichten, nichts Schweres tragen oder heben, keine Fußböden scheuern, keine Betten machen oder dergleichen, und sie sollte viel nahrhaftes Essen zu sich nehmen wie Fleischbrühe, Hühnchen, ein wenig Wein und so fort. Er schlug ihr keine Weltreise in einer Dampfyacht und keine Fahrt in die Schweiz vor; vielleicht glaubte er, das könne sie sich am Ende nicht leisten. Manchmal war sie so krank, dass sie wenigstens eine der Vorschriften des" Arztes befolgen musste - sich hinzulegen, und dann grämte sie sich und machte sich Sorgen, weil sie die Hausarbeit nicht verrichten konnte und weil Owen abends, wenn er nach Hause kam. das Abendbrot selbst zubereiten musste. Einmal hätte Owen von der Arbeit fort und zu Hause bleiben müssen, wäre nicht Mrs. Easton gewesen, die mehrere Tage kam, um nach Nora zu sehen und die Wohnung in Ordnung zu bringen.
Glücklicherweise war Owens Gesundheitszustand besser geworden, weil wärmeres Wetter herrschte. Noch lange, nachdem er beim Schreiben der Schaufensterkarte den Blutsturz erlitten hatte, pflegte er sich nachts vor dem Einschlafen zu fürchten, aus Angst, der könne sich wiederholen. Er hatte gehört, dass Leute während des Schlafes daran gestorben waren. Doch nach und nach verließ ihn diese Furcht. Nora wusste nichts von dem, was in jener Nacht geschehen war; es hätte nichts genutzt, ihr das zu
erzählen, sondern hätte ihr nur im Gegenteil unnütze Sorge bereitet. Zuweilen kamen ihm Zweifel, ob es recht war, ihr nichts mitzuteilen; als jedoch die Zeit verstrich und sein Zustand sich weiter besserte, war er froh, nichts davon gesagt zu haben.
Frankie hatte seine gymnastischen Übungen mit dem Bügeleisen seit kurzem wieder aufgenommen; seine Kraft kehrte zurück, seit Owen regelmäßig arbeitete, denn er aß wieder seinen Haferbrei mit Milch und nahm außerdem ein Stärkungsmittel, das ein Drogist in Windley verkaufte, die große Flasche zu einem Schilling. Zwei-, dreimal in der Woche veranstaltete er, was er eine „Gesellschaft" nannte, wobei Elsie, Charley und Eastons Säugling die Gäste waren. Zuweilen, wenn sich Mrs. Owen nicht wohl fühlte, blieb Elsie nach dem Tee bei ihr und verrichtete einige Hausarbeiten, während die Jungen hinausliefen und spielten; häufiger gingen die vier Kinder jedoch gemeinsam in den Park, um dort zu spielen, oder sie ließen Segelboote auf dem See schwimmen. Einmal lag eines der Boote etwa zwei Meter vor dem Ufer still, und als Frankie versuchte, es mit einem Stock zu erreichen, fiel er ins Wasser, und während Charley sich bemühte, ihn herauszuziehen, plumpste der gleichfalls hinein. Elsie legte den Säugling aufs Ufer und packte Charley; aber während sie versuchte, ihn herauszuholen, begann der Säugling hinabzurollen und wäre wahrscheinlich ebenfalls hineingefallen, wäre nicht ein Mann, der zufällig vorbeikam, rechtzeitig hinzugesprungen. Glücklicherweise war das Wasser an dieser Stelle nur etwa zwei Fuß tief; so schadete das Bad den Jungen nicht viel. Sie kehrten völlig durchnässt und schlammbedeckt nach Hause zurück und kamen sich sehr wichtig vor, gerade als hätten sie sich ausgezeichnet.
Hiernach pflegte Ruth Easton, sooft sie die Zeit aufbringen konnte, mit den Kindern in den Park zu gehen. Nahe beim Ufer des Sees, nur einige Schritte vom Ufer entfernt, stand eine Art Sommerhäuschen, umgeben und beschattet von Bäumen, deren Zweige sich über den Weg wölbten und zur Wasseroberfläche hinabfielen. Während die Kinder spielten, saß Ruth gewöhnlich in diesem lauschigen Winkel und nähte; häufig vernachlässigte sie jedoch ihre Arbeit und vergaß sie, während sie sinnend auf das Wasser blickte, das gerade hier sehr still, sehr dunkel und tief aussah; denn es war windgeschützt und von den Bäumen beschattet, die das Ufer an diesem Ende des Sees umsäumten.

Zuweilen, wenn es regnete, spielten die Kinder im Hause, anstatt auszugehen. Einmal holte Frankie an einem solchen Tage das Plätteisen herbei und führte seine Übung vor; Charley versuchte, es ihm nachzutun. Obgleich er jedoch etwas älter und größer als Frankie war, konnte er das Eisen nicht so häufig heben und nicht so lange stemmen wie dieser - was Frankie darauf zurückführte, dass Charley zuviel Tee und Butterbrot anstatt Haferbrei mit Milch und Stärkungsmittel zu sich nahm. Charley grämte sich so über seinen Mangel an Kraft, dass er mit Frankie verabredete, der solle am nächsten Tag nach der Schule mit ihm heimkommen und mit seiner Mutter darüber sprechen. Mrs. Linden hatte ein Bügeleisen; beide Jungen legten also Proben ihrer Kraft vor ihr ab, und auf ausdrückliches Verlangen war auch Mrs. Easton anwesend, denn Frankie hatte gesagt, die betreffende Diät sei nicht nur für große Kinder, sondern ebenso für Säuglinge geeignet. Er sei damit ernährt worden, solange er zurückdenken könne, und sie sei fast ebenso billig wie Butterbrot und Tee.
Das Ergebnis der Vorführung war, dass Mrs. Linden versprach, für Charley und Elsie Haferbrei zu kochen, sooft sie Zeit dazu finden konnte, und Mrs. Easton versprach, es für den Säugling gleichfalls damit zu versuchen.

Sozialismus • Kommunismus • Sozialistische Belletristik • Kommunistische Unterhaltungsliteratur • Proletarisch-Revolutionäre Literatur • Utopische Klassiker • Arbeiterroman • Agitationsliteratur