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Ernst Ottwalt – Ruhe und Ordnung (1922)
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KAPP-LÜTTWITZ

Meine Tage sind ausgehöhlt und leer. Ich erlebe alles gedämpft und betrachte mein Leben und mein Tun wie das eines fremden Menschen. Ich bin mir gleichgültig.
Und dann ist der 13. März 1920.
An diesem Sonnabend sitze ich beim Friseur und höre aus verworrenem Gespräch von einem Staatsstreich, der in der Nacht in Berlin geschehen sein soll. Was ist es? Man weiß nichts Genaues. Nur, dass es sich um einen Putsch von rechts handelt, kann man mir sagen.
Die Nachricht elektrisiert mich. Endlich geht es los. Es wird etwas zu tun geben, man kann sich nützlich machen, man braucht nicht mehr als durchgefallener Abiturient durch die Straßen zu laufen. Man wird wieder Soldat sein, von jedermann freundlich und respektvoll betrachtet, man wird wieder Achtung vor der eigenen Brauchbarkeit und Stärke bekommen.
Draußen verteilen Zeitungsjungen der „Nachrichten" Extrablätter.  Ich lese von einer Besetzung des Regierungsviertels, von der Flucht der verfassungsmäßigen Regierung. Dann eine Proklamation „An Alle", unter der zwei Namen stehen: „Kapp-Lüttwitz".
Den General kenne ich. Den Namen Kapp habe ich nie gehört.
Das Manifest enttäuscht mich, ohne dass ich sagen kann, warum. Reichspräsidentenwahl, Fachminister. Dürre und trockene Worte. Darlegungen, die den Stempel der Nüchternheit tragen. Kein Schwung, keine hallenden Worte, kein Pathos, keine Ekstase, nicht einmal die schneidende Sachlichkeit des Soldaten.
Kein Wort vom Kampf gegen die Republik, gegen die Herrschaft der Straße, für Deutschlands Zukunft.
Auf dem Garnisonkommando wird man Näheres wissen. Ich gehe sofort mit Webach zusammen hin. Aber auf der Kommandantur herrscht große Aufregung. Der Garnisonälteste, ein alter Oberst, rennt mit hochrotem Kopf im Korridor an uns vorbei. Überall stehen Offiziere und Mannschaften in eifrige Diskussion vertieft. Die Stimmung ist trotz aller Verwirrung heiter, fast ausgelassen. Es steht natürlich ganz außer Frage, dass sich die Garnison den neuen Machthabern anschließen wird. Der Sieg ist heute schon so gut wie sicher. Die Folgen dieses Staatsstreichs sind noch gar nicht abzusehen, aber sie werden unsere kühnsten Erwartungen übertreffen.
Endlich finden wir Walter. Er tut zwar auch sehr vergnügt, aber wir merken ihm an, dass er schwere Sorgen hat. Auf unsere vorsichtigen Fragen beginnt er zu erzählen.
„Das ist ja alles ganz schön und gut," sagt er zweifelnd, „aber es ist sehr schlimm, dass wir mit den zuständigen Reichswehrstellen in Berlin keine Verbindung bekommen können. Wir wissen noch gar nicht, ob die Reichswehr sich auf die Seite von Kapp stellen wird. Außerdem ist hier in der Provinz nichts vorbereitet, kein Mensch weiß, wie er sich zu verhalten hat. Und das ist sehr bedauerlich, denn man kann einen Umsturz nicht damit siegreich durchführen, dass man in Berlin ein paar Häuser besetzt. Man braucht das Hinterland dazu, und da geht einstweilen alles drunter und drüber."
Wir hören von Walter und von anderen Herren des Kommandos noch Näheres: der Garnisonälteste kann sich nicht entschließen, auf eigene Verantwortung zu handeln.  Er möchte an sich natürlich gern auf die Seite der Rebellen treten, aber er weiß nicht, wie der General Seeckt darüber denkt. Vom Reichswehrministerium ist überhaupt nicht die Rede. Der Minister heißt Noske und ist nach Stuttgart geflohen.
Der Kommandant ist für Abwarten, bis sich die Verhältnisse etwas geklärt haben.
Die maßgebenden Offiziere der Garnison machen keinen Hehl daraus, dass sie diese Ansicht des Obersten für Feigheit halten. Widerwillig stellen sie telefonische Verbindungen mit der Garnison Leipzig her.
Verantwortliche Herren sind nicht an den Apparat zu bekommen. Als Einziges erfährt man, dass dort die Garnison genau so wenig entschlossen ist wie bei uns.
In Dresden ist es dasselbe. Der Kommandeur des Reichswehrkreises IV, der General Maerker, ist merkwürdigerweise gerade heute telefonisch nicht zu erreichen. Man muss also auf eigene Faust Entschlüsse fassen.
Kein Mensch kann uns sagen, wie wir unsere Nachrichtenarbeit den veränderten Verhältnissen anpassen sollen. Wir gehen in den Volkspark, ins Gewerkschaftshaus, — überall
große Aufregung und Empörung über den Berliner Putsch. Aber es ist heute fast unmöglich, Klarheit über die Stimmung in der Arbeiterschaft zu gewinnen. Ein Gerücht widerspricht dem andern, und am Abend des 13. März wissen wir überhaupt nicht mehr, woran wir sind. Der Generalstreikparole der geflohenen Regierung Ebert-Noske legen wir keinerlei Bedeutung bei. Es scheint, als ob niemand recht Lust hätte, sie zu befolgen.
Das einzige positive Ergebnis dieses Tages ist meine Meldung, dass die Arbeiterschaft keinen Augenblick daran zweifelt, dass die Garnison auf Seiten von Kapp-Lüttwitz steht.
Am Sonntag bin ich schon früh auf den Beinen.
Im Garnisonkommando sollen Nachrichten aus Berlin eingetroffen sein. Der Funker hat es erzählt.
Jetzt will er aber von nichts wissen. Also sollen jene Meldungen unterdrückt werden, und wir erfahren nicht, was sie enthalten haben.
Ich treffe meinen Bekannten, den Kommunisten Robert. Er winkt mir zu und lacht über das ganze Gesicht: „Na, was sagst du nun?" fragt er vergnügt.
,Ich finde das gar nicht zum Lachen," sage ich verlegen.
„Mensch, das ist doch ein großartiger Witz, dass die Ebert-Noske ausgerechnet von ihren geliebten Soldaten zum Teufel gejagt worden sind. Das haben die Schweine redlich verdient. Jetzt sitzen sie in Stuttgart und heulen, wir sollen ihre Republik retten. Pfeifen werden wir ihnen was!"
Ich stelle vorsichtig Fragen und erfahre, dass die Kommunisten den Staatsstreich tatsächlich mit mehr Schadenfreude über Noskes Sturz als mit Empörung über die Errichtung der Militärdiktatur betrachten. Für einen Kampf gegen die Regierung Kapp besteht keine Stimmung. Robert meint, später wäre immer noch Zeit dazu, den Kapp-Putsch zu einer Aktion für kommunistische Ziele auszunützen. Nach einiger Zeit, wenn nämlich die Militärs ihre ersten Dummheiten gemacht hätten, würden auch die Arbeiter Lust zum Kämpfen bekommen.
„Also wenn das Garnisonkommando keine Dummheiten macht, dann wird es hier in Halle demnach überhaupt nicht zu Unruhen kommen?" fragte ich zur Sicherheit noch einmal zurück.
Robert lacht aufrichtig erheitert: „Du bist gut! Die und keine Dummheiten machen! Lieber Junge, spätestens morgen fangen die Offiziere an, verrückt zu spielen, und ruhen nicht eher, als bis sie sich die ganze Arbeiterschaft auf den Hals gehetzt haben. Das ist immer so."
Nach zwei Stunden ist mein Bericht bei Walter. Er kennt Robert und weiß von der Gewichtigkeit seiner Meinungen. Ich habe das Gefühl, jetzt vielleicht mein kleines Teil dazu beigetragen zu haben, dass der Kapp-Putsch ohne besondere Erschütterungen in Halle abgehen wird.
Es steht sehr schlecht mit der Aussicht, dass die nächsten Tage Kämpfe bringen werden. Wir können nun also ohne große Gefahr für die neuen Herren in Berlin Stimmung machen.
Allmählich aber beginnt die Stadt zu fiebern.
Die Straßen voll sonntäglich geputzter Menschen hallen wider von erregtem Gemurmel. Ich habe keine anderen Gedanken mehr, als auf dies unheimliche Brodeln zwischen den Häuserwänden zu lauschen.
In den Augen der Menge glimmt und glüht jenes unsinnige und aufregende Flackern, das ich kenne, Gerüchte schwirren hin und her, widersprechen sich, werden widerlegt, neue Gerüchte kommen auf, und alles wird geglaubt.
Ich sehe an einer Straßenecke einen demokratischen Stadtverordneten, der zu einigen Passanten spricht. Es sind Arbeiter darunter, auch Kommunisten. Der Stadtverordnete redet mit glühendem Pathos von der jungen Republik, die gegen ihre Feinde geschützt werden muss. Sein Schnurrbart sträubt sich, seine Stimme psalmodiert sakral.
Und keiner seiner Zuhörer lacht. Auch die Kommunisten nicht. Es scheint mit einem Schlage plötzlich keine Gegensätze in der Arbeiterschaft mehr zu geben.
Jeder scheint entschlossen, die Republik gegen den Feind zu verteidigen.
Es ist aber kein Feind da. Die Soldaten sitzen unruhig und ein wenig ängstlich in den Kasernen und wagen sich nicht auf die Straße. Außerdem sind es nur ein paar hundert Mann, die der Republik im Ernstfall nichts tun können, wenn sie es auch wirklich wollten.
Eine ungeheure Erregung ballt sich sinnlos in der Luft zusammen und sucht nach Angriffspunkten. Dass morgen der Generalstreik einsetzen wird, gilt heute schon als beschlossene Sache.
Und der Feind? Man wird den Feind nötigenfalls erfinden, wenn nur erst der Wille zum Kampf da ist.
Ich unterdrücke ein Lächeln. Ist das nicht geradezu komisch? Die Truppen warten ab. Die Kommunisten warten ab. Sozialdemokraten und Unabhängige wollen streiken. Die Bürger aller Schattierungen haben nichts als Angst und trauen der Berliner Bewegung nicht viel zu. Und trotzdem redet man von Feinden und glüht vor Kampflust.
Blödsinn! Ich komme mir sehr überlegen vor. Die ganze Aktion wird ausgehen wie das Hornberger Schießen, wenn die Garnison keine Dummheiten macht. Und das Kommando wird bestimmt keine machen. Schon aus dem Grunde, weil viel zu wenig Soldaten in der Stadt sind.
Am späten Nachmittag läuft plötzlich ein Schrei durch die Straßen: Das Garnisonkommando hat das Freikorps alarmiert! Die Zeitfreiwilligen sammeln sich bereits in den Kasernen. Die Oberrealschule ist schon von ihnen besetzt. Die Einwohnerwehr ist einberufen worden.
Ich kann diesem Gerücht nicht glauben. Zu dieser Alarmierung liegt doch gar kein Grund vor, denn in der Stadt ist es bisher nirgendwo zu Ausschreitungen gekommen.
Gegen wen sollen die Zeitfreiwilligen also kämpfen? Diese Alarmnachricht kann doch nur bedeuten, dass sich das Garnisonkommando entschlossen hat, offen auf die Seite der Rebellen zu treten?
Ich laufe zum Garnisonkommando. Aus dem Kasernentor kommen mir Soldaten entgegen, die in die gegenüberliegende Oberrealschule gehen, hochbepackt mit Decken, Strohsäcken und Waffen. Ich erkenne verschiedene Bekannte. Es sind Zeitfreiwillige.
Wer den Befehl zur Alarmierung gegeben hat, kann ich nicht in Erfahrung bringen. Walter sagt, es kann gar keine Rede davon sein, dass sie für Kapp kämpfen sollen. Es handelt sich nur um eine vorbeugende Maßnahme für den Fall, dass in der Stadt Unruhen entstehen sollen. Und dabei lächelt er ironisch.
Ich gehe nach Hause und weiß nun, dass die Unruhen nicht mehr lange auf sich warten lassen werden.
Ich denke an Robert. Er hat wirklich Recht
gehabt: die erste Dummheit ist geschehen. Weitere werden bald folgen...
Am nächsten Morgen schließen alle Betriebe. Versammlungen überall. Der Generalstreik beginnt.
Sozialdemokraten und Unabhängige wollen sich mit der ordnungsmäßigen Durchführung des Streiks begnügen, die Kommunisten verlangen bereits Bewaffnung der Arbeiterschaft.
Ich gebe telefonisch einen Bericht über eine solche Versammlung an das Kommando. Am Apparat meldet sich Hauptmann Ultz, ein korrekter und nicht übermäßig intelligenter Herr.
Ich höre förmlich sein ungläubiges Lächeln. Hoffnungslos!
Kurz darauf treffe ich Webach und Walter, der uns befiehlt, mit ihm zum Kommando zu kommen.
Wir versuchen, im Gewerkschaftshaus noch etwas über die Pläne für die nächste Zukunft zu hören.
Walter geht mit uns. Walter tut auf dem Garnisonkommando in Uniform Dienst. Er hat oft mit den Einberufern politischer Versammlungen zu verhandeln, und viele Gewerkschaftler kennen ihn. Es ist schon Unfug, dass Webach und ich uns mit ihm zusammen auf der Straße sehen lassen. Wenn uns zufällig jemand mit Walter sieht, dann sind wir als Spitzel erkannt. Abgesehen davon ist Walters Unternehmen, mit uns in das Gewerkschaftshaus zu gehen, völliger Unsinn. Aber was sollen wir machen? Wenn Walter uns zu dieser zwecklosen Tollkühnheit kommandiert, dürfen wir uns nicht weigern, ihm zu folgen.
In der Vorhalle des Hauses dreht er sich dann auch plötzlich um: „Zurück!" flüstert er hastig.
Wir gehen langsam die Straße hinunter. Walter ist sehr bleich: „Habt ihr Eure Pistolen da?" fragt er leise. Wir bejahen.
Ich drehe mich um und sehe, dass uns ein Menschenhaufe folgt. Flüche steigen auf, immer mehr Menschen schließen sich an.
Die Menge fängt an zu laufen. Wir rasen im Galopp die Straße hinab, eine Tordurchfahrt eine neue Straße, und immer noch hinter uns das Gelärme der uns verfolgenden Meute.
Walter keucht und stöhnt. Er kann nicht mehr.
„Stehen bleiben!" ruft er uns zu.
Wir hätten noch lange so weiter laufen können. Zögernd werfe ich einen scheuen Blick. zurück, dann aber siegt die Überlegung, da wir Walter nicht im Stich lassen können. Wir bleiben stehen, pressen uns an die Häuserwand der gegenüberliegenden Straßenseite und entsichern die Pistolen in der Manteltasche.
Mir wird schwindlig. Die Verfolger stellen sich in einem großen Halbkreis um uns. Das letzte Bild, das ich noch deutlich wahrnehme ist ein großer Mensch, der ganz vorn steht und sich seine Fausthandschuhe von den Händen streift.
Es ist also aus. Wir werden zertrampelt werden. Keine Möglichkeit zu entkommen. Ein paar Schüsse, bis das Magazin leer ist, und dann kommt das Ende. Ich empfinde nicht einmal Furcht. Es ist wie im Traum.
Da — noch ehe unsere Verfolger sich zum Angriff entschließen — klingelt plötzlich eine Straßenbahn heran.
Wir springen in langen Sätzen auf die fahrende Bahn.
Geschrei steigt hinter uns auf. Der Fahrer will halten. Ich presse ihm zitternd in wilder Erregung die Pistole ins Genick. Von der Hinterplattform, auf die Webach und Walter gesprungen sind, knallen Schüsse, die sie auf ihre Verfolger abgeben.
Die Bahn rast an mehreren Haltestellen vorüber. Dann erst wagt der Führer zu halten. Wir sind nur wenige Schritte von der Kommandantur entfernt. Das Kasernentor schlägt hinter uns zu.
Aufatmend lassen wir uns auf ein paar Stühle fallen: Gerettet. Aber die ersten Schüsse sind gefallen...
Während Walter in das Dienstzimmer des wachhabenden Offiziers hineingeht, spricht Webach und mich ein Offizier in elegantem Pelz an, der im Wartezimmer auf und ab geht. Er trägt die Friedensuniform eines Ulanenregiments. Vor der Tür steht sein über und über mit Schmutz bedeckter Wagen. Er ist sehr aufgeregt und hat anscheinend große Eile. In der Hand hält er ein Schreiben, mit dem er dann und wann nervös in der Luft herumfuchtelt.
„Herrgott, ich habe keine Zeit!" schimpft er plötzlich vor sich hin. „Ich muss gleich weiter nach Leipzig."
Wir sehen ihn an und er stellt sich vor: „Freiherr von Liechtenstein vom Divisionskommando IV."
Dann erzählt er eine phantastische Geschichte: er sei ein Kurier des Generals Maerker, der den Garnisonen Halle und Leipzig Mitteilung davon machen soll, dass der General sich mit allen ihm unterstellten Reichswehrtruppen der Regierung Kapp zur Verfügung hält. Ein Schreiben, das tatsächlich die Unterschrift des Generals Maerker trägt, soll seine Angaben bestätigen.
Der Wirrwarr im Offizierkorps nimmt unwahrscheinliche Formen an; die Mitteilung des mysteriösen Ulanenoffiziers wird allgemein für Schwindel gehalten. Aber immerhin bietet doch die Unterschrift Maerkers willkommenen Vorwand, das Eintreten für Kapp als die Befolgung eines dienstlichen Befehls hinzustellen.
Noch ehe man ihn nach seiner Legitimation fragen kann, ist der Freiherr mitsamt dem Brief des Generals verschwunden.
Das Ergebnis einer stundenlangen Offiziersbesprechung ist zunächst eine lahme öffentliche Erklärung, dass die Truppen der Garnison Halle ausschließlich für die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung und die Sicherung von Leben und Eigentum der Einwohner sorgen würden. Von einer Beteiligung an dem Putschunternehmen könne keine Rede sein.
Dann sickert langsam die Nachricht durch, dass der Garnisonälteste plötzlich erkrankt sei und seine Dienstgeschäfte vom ältesten Stabsoffizier des Garnisonkommandos übernommen worden sind.
Das ist der Major Nagel, der spätere Generalsekretär des Reichslandbundes und Geschäftsführer des Deutschnationalen Bismarckbundes.
Wie ich von der Kommandantur nach Hause komme, bemerke ich einige Leute, die scheinbar zwecklos vor der Gartenpforte unseres Hauses herumstehen. Meine Wohnung wird bewacht, man hat mich als Spitzel erkannt. Bei Webach ist es ebenso.
Wir rufen noch einmal Walter an. Der rät uns, schnell in die zweite Zeitfreiwilligenkompanie wieder einzutreten. Da würden wir während der kommenden Unruhen am sichersten sein.
Ich habe nicht die geringste Lust, den öden Dienst in der Kompanie wieder mitzumachen. Es ist jetzt gerade ein Jahr her, dass ich das Leben eines Revolutionssoldaten kennen gelernt habe.
Aber was hilft alles Räsonnieren? Walter hat recht: in meiner Wohnung würde ich bei der nächstbesten Gelegenheit totgeschlagen werden. Also lassen wir uns auf der Kammer der Reilkaserne Uniformen verpassen und sind schon am Spätnachmittag in der Oberrealschule, von zahlreichen Bekannten freudig begrüßt.
Einige unserer Freunde sind in der M.G.-Abteilung; der Führer, ein ehemals aktiver Oberleutnant, ist ein Kamerad aus meinem Ruderklub. Wir werden der M.G.-Gruppe zugeteilt. Webach war im Feld Maschinengewehrscharfschütze.
Ich verstehe nichts von einem Maschinengewehr, aber Webach meint, das sei nicht so schhmm...

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