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Robert Tressell – Die Menschenfreunde in zerlumpten Hosen (1914)
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52. Kapitel Der Sohn der Witwe

Als sie am nächsten Morgen um halb acht zum Gerätehof kamen, teilte ihnen Hunter mit, es gebe nichts zu tun sie sollten aber am Montag lieber mal nachfragen, falls Arbeit hereinkomme. Sie gingen also am Montag und am Dienstag und am Mittwoch wieder dorthin; da jedoch nichts „hereinkam", arbeiteten sie natürlich nicht. Am Donnerstagmorgen war es trübe und bitter kalt. Der Himmel war von einförmigem düsterem Grau, und ein lebhafter Nordwind fegte durch die öden Straßen. Owen - der sich in der vorigen Woche erkältet hatte, als er dem Gewächshaus von Sweaters Villa den Außenanstrich gab - ging erst um zehn Uhr zum Gerätehof. Er fühlte sich so krank, dass er gar nicht dorthin gegangen wäre, wenn sie daheim nicht das Geld so nötig gebraucht hätten, das er verdienen konnte, falls es etwas zu tun gab. So seltsam es auch den Befürwortern der Sparsamkeit vorkommen mag - obwohl er das Glück hatte, beschäftigt zu sein, während so viele arbeitslos waren, hatten die Owens kein Geld gespart. Im Gegenteil, den ganzen Sommer hindurch hatten sie sich keine richtige Nahrung und Kleidung leisten können. Jede Woche musste der größte Teil des Geldes verwendet werden, um die Mietrückstände oder andere Schulden zu bezahlen, so dass sie häufig manche der lebensnotwendigen Dinge entbehren mussten, selbst während er Arbeit hatte. Sie trugen zerrissene Stiefel, schäbige, unzureichende Kleidung und hatten kaum genügend zu essen.
Es war so bitter kalt geworden, dass er seinen Überzieher aus der Pfandleihe auslöste, denn er befürchtete, das Bett hüten zu müssen, falls er ihn noch länger entbehrte, und während dieser Woche waren sie fast am Verhungern. Nicht, als sei es in den anderen Wochen viel besser gewesen, denn in letzter Zeit hatte er nur sechseinhalb Stunden am Tag gearbeitet, von acht Uhr dreißig bis vier Uhr nachmittags, und sonnabends nur viereinhalb Stunden von halb neun bis eins. Daher betrug sein Lohn bei sieben Pence die Stunde einundzwanzig Schilling sieben Pence in
der Woche - das heißt, wenn er jeden Tag Arbeit hatte, was nicht immer der Fall war.
Zuweilen mussten Rushtons Arbeiter drei von sechs Tagen „feiern". Die, welche sechseinhalb Pence Stundenlohn erhielten, hatten ein Pfund zwei Pence - wenn sie jeden Tag arbeiteten -, und für die, welche wie Sawkins nur fünf Pence verdienten, kam der Wochenlohn auf fünfzehn Schilling sechs Pence.
Wurden sie nur für zwei, drei Tage oder vielleicht sogar nur für einige Stunden beschäftigt, so betrug ihr „Sonnabendgeld" zuweilen nur einen halben Sovereign, sieben Schilling sechs Pence, fünf Schilling oder sogar noch weniger. Und da sagten einige, das sei immerhin besser als gar nichts.
Viele waren verheiratet; um ihr Leben fristen zu können, verrichteten ihre Frauen Aufwartungen, oder sie arbeiteten in Wäschereien. Sie hatten Kinder, die sie größtenteils mit Magermilch, Brot, Margarine und verfälschtem Tee großziehen mussten. Viele dieser Kinder - kleine Würmer von acht oder neun Jahren - arbeiteten des Morgens zwei oder drei Stunden lang, bevor sie zur Schule gingen, ebenso abends nach der Schule und sonnabends den ganzen Tag über; sie trugen fleischbeladene Schlächtermulden aus, Körbe mit Lebensmitteln und Gemüse, Paraffinölkannen, sie verkauften oder lieferten Zeitungen und trugen Milch aus. Sobald sie alt genug waren, erhielten sie eine „Halbtagsbescheinigung", und kaum waren sie vierzehn, verließen sie die Schule endgültig und arbeiteten den ganzen Tag über. Einige versuchten, wenn sie das Alter erreicht hatten, in die Armee oder in die Marine einzutreten, wurden jedoch als körperlich nicht tauglich abgelehnt.
Man braucht sich nicht sehr zu wundern, wenn sie, ein wenig älter geworden, geistig so verkümmert waren, dass sie sich einbildeten, der sicherste Weg, um bessere Lebensbedingungen zu erhalten, sei, Banden von Liberalen und Konservativen, Bodenraffern, Ausbeutern, Schwindlern und Advokaten zu wählen, damit diese über sie herrschten.
[[Als Owen auf dem Gerätehof ankam, traf er dort Bert White, der in der Malerwerkstatt die schmutzigen Farbtöpfe reinigte. Bei dem Geräusch, das er mit dem Schabemesser verursachte, hörte Bert Owen nicht kommen, und dieser stand mehrere Minuten lang dort und beobachtete ihn, ohne zu sprechen. Der Steinfußboden der Werkstatt war feucht und glänzend, und der ganze Raum war so kalt wie ein Grab. Der Junge zitterte vor Kälte und sah jämmerlich klein]] und zerbrechlich aus, wie er sich dort in der alten Schürze, die er umgebunden hatte, über seine Arbeit beugte. Da es so kalt war, trug er seine Jacke und hatte die Ärmel aufgekrempelt, um sie sauber zu halten oder vielmehr, um sie nicht noch schmutziger zu machen, denn sie befanden sich bereits im gleichen Zustand wie der Rest seiner Kleidung, die mit einer dicken Kruste getrockneter Farbe vielfacher Schattierung bedeckt war, und seine Hände und seine Fingernägel waren schwarz davon.
Als Owen den armen Jungen beobachtete, wie der sich über seine Arbeit beugte, dachte er an Frankie, und mit einem Gefühl, das verzweifelter Angst nahe kam, fragte er sich, ob sich sein Kind wohl jemals in einer ähnlichen Lage befinden werde.
Als der Junge Owen sah, hielt er mit der Arbeit inne, wünschte ihm guten Morgen und bemerkte, es sei sehr kalt.
„Weshalb zündest du dir denn kein Feuer an? Es liegt doch eine Menge Holz auf dem Hof herum."
„Nö", sagte Bert und schüttelte den Kopf, „kann ich nicht machen! Elend würde schön toben, wenn er mich dabei erwischen würde! Letzten Winter hab ich hier immer 'n Feuer brennen gehabt, bis Rushton dahinter kam, da hat er 'nen fürchterlichen Stunk gemacht und gesagt, ich soll 'n bisschen mehr dalli mit der Arbeit machen, dann würd ich die Kälte nicht fühlen."
„So, das hat er gesagt?" meinte Owen, und sein bleiches Gesicht wurde plötzlich brennend rot. „Na, das werden wir ja mal sehen."
Er ging in den Hof hinaus und hinüber zu einem Schuppen, wo ein großer Haufen Abfallholz lag - lauter Zeug, das aus Häusern gerissen worden war, in denen die Firma Rushton & Co. Ausbesserungen vorgenommen hatte; er nahm davon einen Armvoll und kehrte eben in die Malerwerkstatt zurück, als Sawkins ihn ansprach.
„Davon darfste nichts verbrennen, hörste! Das soll alles gesammelt und zum Alten ins Haus gebracht wer'n. Elend hat erst heut morgen davon gesprochen."
Owen antwortete nicht. Er trug das Holz in die Werkstatt, und nachdem er es in den Kamin geworfen hatte, goss er etwas alte Farbe darüber, hielt ein Streichholz daran und entfachte ein prasselndes Feuer. Bert beteiligte sich nicht an dem Unternehmen und missbilligte es zuerst ziemlich, denn er fürchtete, es werde Unannehmlichkeiten geben, wenn Elend kam; als das Feuer aber vollendete Tatsache war, wärmte er seine Hände und schob seine Arbeit auf das andere Ende der Werkbank, um die Hitze genießen zu können.
Etwa eine halbe Stunde lang wartete Owen ab, ob Hunter zurückkehrte; da dieser Jünger des Herrn jedoch nicht erschien, beschloss er, nicht länger dort zu bleiben. Bevor er ging, gab er Bert noch einige Anweisungen:
„Halt das Feuer mit der alten Farbe in Gang, die du von den Dingern da abkratzen kannst, mit der ganzen übrigen alten Farbe und mit allen Abfällen, die da sind; und wenn es hinuntergebrannt ist, leg Holz nach. Hier liegt eine Menge altes Zeugs, das zu nichts mehr nütze ist als nur, fortgeworfen oder verbrannt zu werden. Verbrenne das alles. Wenn Hunter was sagt, erklär ihm, ich hätte das Feuer angezündet und dir gesagt, du sollst es in Gang halten. Wenn du mehr Holz brauchst, geh hinaus und hol dir's."
„Na schön", antwortete Bert.
Beim Hinausgehen sprach Owen mit Sawkins. Seine Haltung war so drohend, sein Gesicht so blass, und in seinen Augen lag ein so seltsamer Glanz, dass Sawkins an das oft wiederholte Gerede dachte, Owen sei wahnsinnig, und halb fürchtete er sich vor ihm.
„Ich gehe zum Büro und spreche mit Rushton; wenn Hunter herkommt, sagst du ihm, ich hätte dir aufgetragen, ihm zu bestellen, wenn ich den Jungen noch einmal ohne Feuer in der Werkstatt finde, geh ich hin und zeige es bei der Gesellschaft für Kinderschutz an. Und was dich betrifft -
wenn der Junge hier herauskommt und noch Holz holt -, versuch du nicht etwa, ihn daran zu hindern!"
„Ich will den verfluchten Bengel ja gar nicht dran hindern", brummte Sawkins. „Scheint mir, er ist übergeschnappt", setzte er hinzu, während er beobachtete, wie Owen schnell die Straße hinunterging. „Kann nicht begreifen, wozu die Leute ihre Nase in fremde Angelegenheiten stecken müssen - man sollte meinen, der Junge gehört ihm."
Eben so erschien Owen die Sache. Der Gedanke, sein eigenes Kind werde auf eine solche Weise behandelt werden, ließ ihn nicht los und versetzte ihn in Wut, während er hastig dahinschritt. In der Nachbarschaft des Sklavenmarkts auf der Großen Paradeallee ging er - ohne sie zu sehen - an mehreren Gruppen arbeitsloser Handwerker vorbei, die er kannte. Einige waren beleidigt und meinten, er beginne, hochnäsig zu werden; andere aber, die bemerkten, wie seltsam er aussah, wiederholten die alte Prophezeiung, Owen werde eines Tages verrückt werden.
Als er sich seinem Ziel näherte, begann es, in großen Flocken zu schneien. Er ging so schnell und befand sich in einem so heftigen Zorn, dass er kaum sprechen konnte, als er den Laden erreichte.
„Ist - Hunter - oder Rushton da?" fragte er den Verkäufer.
„Hunter nicht, aber der Chef. Was wolln Sie denn?"
„Das wird er - schon - bald erfahren", keuchte Owen, während er zur Bürotür eilte, und ohne erst anzuklopfen, riss er sie auf und trat ein.
Die Atmosphäre dieses Raumes unterschied sich sehr von der des feuchten Kellers, in dem Bert arbeitete. Ein mit Asbestblöcken versehener Gasofen verlieh der Luft angenehme Wärme.
Rushton stand über Miss Wades Stuhl gebeugt und hatte den linken Arm um ihren Hals gelegt. Später erinnerte sich Owen, dass ihr Kleid in Unordnung war. Sie zog sich hastig in das entfernteste Ende des Raumes zurück, während Rushton von ihr fortsprang und den Eindringling erstaunt und verwirrt anstarrte - zu verwundert und zu verlegen, um zu sprechen. Owen stand keuchend und bebend mitten im Büro und hielt den zitternden Zeigefinger auf seinen Chef gerichtet:
„Ich bin - hierher gekommen - um - Ihnen - zu sagen: -wenn ich - den Jungen, - Bert White, - noch einmal -ohne Feuer - in der Werkstatt - da unten - arbeiten sehe, - zeige - ich Sie - an. Der Raum - ist zu schlecht - für einen Stall; - wenn Sie - einen wertvollen Hund hätten, würden Sie ihn - dort nicht halten. - Ich warne Sie, - ich weiß genug von Ihnen, - damit Sie dahin kommen, - wohin Sie gehören; - wenn Sie ihn nicht besser behandeln, -lasse ich Sie bestrafen - ich entlarve Sie."
Rushton fuhr fort, ihn mit einem Gemisch von Verwirrung, Furcht und Staunen anzustarren; er verstand noch nicht richtig, um was es sich eigentlich handelte; er war schuldbewusst in so vielen Dingen, bei denen er Grund hatte zu fürchten, er werde entlarvt oder angeklagt werden, wenn sie bekannt wurden; und auch die Tatsache, dass er in einer solchen Situation mit Miss Wade überrascht worden war, trug dazu bei, ihn in einen Zustand geradezu panischer Angst zu versetzen.
„Wenn der Junge da unten ohne Feuer gewesen ist, hab ich nichts davon gewusst", stammelte er endlich. „Für all diese Sachen hat Mr. Hunter zu sorgen."
„Sie - selbst - haben ihm - letzten Winter - verboten, Feuer zu machen, - und jedenfalls wissen Sie's jetzt. Sie haben von seiner Mutter Geld erhalten - unter dem Vorwand, - dass Sie ihn ein Handwerk lehren wollten, - aber während der letzten zwölf Monate - haben Sie ihn ausgebeutet, - als sei er ein Lasttier. Ich rate Ihnen, dafür zu sorgen, - sonst werde ich Mittel finden, - dass Sie wünschen, - Sie hätten dafür gesorgt."
Mit diesen Worten wandte sich Owen um und ging hinaus; die Tür ließ er sperrangelweit offen stehen, und Rushton blieb in einem Zustand der Furcht, des Staunens und der Wut zurück.
Während Owen durch den Schneesturm heimging, begann ihm klar zu werden, dass die Folge seiner Handlungsweise sein werde, dass Rushton ihm keine Arbeit mehr gab, und während er darüber nachdachte, was das für die Seinen wohl bedeutete, zweifelte er einen Augenblick lang, ob er recht gehandelt habe. Als er Nora jedoch von dem Geschehenen erzählte, sagte sie, es gebe genügend andere Firmen in der Stadt, bei denen er Beschäftigung finden werde - wenn sie Arbeit hatten. Er sei vorher ohne Rushton ausgekommen und könne auch wieder ohne ihn auskommen; was sie betreffe - welches auch die Konsequenzen sein mochten -, sie sei froh, dass er in dieser Weise gehandelt habe.
„Wir werden schon irgendwie durchkommen, nehme ich an", sagte Owen müde. „Viel Aussicht gibt es nicht, gerade jetzt irgendwo anders Arbeit zu erhalten; aber ich werde versuchen, auf eigene Rechnung etwas zu bekommen. Ich werde wieder einige Muster für Schaufensterkarten anfertigen, wie letzten Winter, und werde versuchen, einige Aufträge von den Geschäften zu erhalten - gewöhnlich bestellen sie um diese Zeit einiges zusätzlich; ich fürchte zwar, es ist reichlich spät; die meisten haben schon alles, was sie brauchen."
„Ich ginge an deiner Stelle heute nicht mehr aus", sagte Nora, die bemerkte, wie krank er aussah. „Du solltest zu Hause bleiben und lesen oder das Protokoll schreiben."
Das Protokoll, von dem sie sprach, war das der letzten Versammlung der Ortsgruppe der Malergewerkschaft, deren Sekretär Owen war, und da es weiter schneite, beschäftigte er sich nach dem Essen auf die von seiner Frau vorgeschlagene Weise, bis Frankie um vier Uhr aus der Schule heimkam, einen großen Schneeball mitbrachte und als besonders gute Nachricht rief, es schneie noch immer tüchtig, und er glaube, es gefriere!
An diesem Abend gingen sie sehr früh zu Bett, denn sie mussten mit der Kohle sparsam umgehen, und nicht nur das - da die Räume so nahe unter dem Dach lagen, war es nicht möglich, sie warm zu halten, wie viel Kohle man auch verbrauchte. Das Feuer schien die Wohnung eher noch kälter zu machen, denn es bewirkte, dass die Luft von draußen durch die Ritzen der schlecht schließenden Türen und Fenster hereinströmte.
Während des größten Teils der Nacht lag Owen wach. Die Angst vor der Zukunft ließ ihn nicht zur Ruhe kommen und nicht schlafen. Am nächsten Morgen stand er sehr
früh auf - lange, bevor es hell wurde -, und nachdem er Feuer gemacht hatte, wollte er sich daran begeben, die Muster anzufertigen, von denen er Nora gesprochen hatte; er stellte jedoch fest, dass er nicht viel tun konnte, ohne neue Pappe zu kaufen, denn der größte Teil der vorhandenen war in schlechtem Zustand.
Zum Frühstück gab es Butterbrot und Tee. Frankie frühstückte im Bett, und sie beschlossen, ihn bis nach dem Mittagessen nicht in die Schule zu schicken, denn es herrschte große Kälte, und sein einziges Paar Stiefel war völlig durchnässt, weil er am Tage zuvor draußen im Schnee gewesen war.
„Ich werde mich erst mal umtun, ob es nicht irgendeine andere Arbeit gibt, ehe ich die Pappe kaufe", sagte Owen, „ich fürchte zwar, es wird nicht viel nützen."
Als er sich eben bereit machte auszugehen, klingelte es an der Haustür, und während er hinunterging, um zu öffnen, sah er Bert White die Treppe heraufkommen. Der Junge trug ein flaches, in braunes Papier gewickeltes Paket
unter dem Arm.
„'n Sargschild", erklärte Bert, als er an der Tür war. „Wird sofort gewünscht - Elend sagt, du kannst's zu Haus machen, und ich soll drauf warten."
Mit unendlicher Erleichterung blickten Owen und seine Frau einander an. Er war also doch nicht entlassen. Fast war es zu schön, um wahr zu sein.
„Innen im Paket liegt 'n Zettel mit dem Namen von der Person, die gestorben ist", fuhr Bert fort, „und hier ist 'ne kleine Flasche mit Braunschweigisch Schwarz für dich, um die Inschrift zu schreiben."
„Lässt er sonst noch was bestellen?" „Ja, er hat mir gesagt, ich soll dir bestellen, Montag wird 'ne Arbeit angefangen - zwei Zimmer, die irgendwo gemacht wer'n sollen. Bis Donnerstag müssen sie fertig sein, und heut Nachmittag sollste noch 'ne andre Arbeit machen - nach dem Essen -, du musst also um eins zum Gerätehof kommen. Hat mir gesagt, er wollte dir das gestern morgen noch sagen, hat's aber vergessen."
„Was hat er dir denn wegen des Feuers gesagt - überhaupt etwas?"
„Jawoll, beide sind ungefähr 'ne Stunde, nachdem du fort warst, angebraust gekommen - Elend und der Alte auch -, aber sie haben gar keinen Stunk gemacht. Ich hab vielleicht 'nen Bammel gehabt, das kann ich dir sagen, als ich sie beide antanzen sah, aber sie waren ganz nett. Sagt doch der Alte zu mir: ,Aha, mein Junge, das ist richtig', sagt er, ,lass nur 'n schönes Feuerchen brennen. Ich werd dir Koks schicken', sagt er. Und dann haben sie sich umgeguckt, und er hat Sawkins gesagt, er soll 'n paar neue Scheiben in das kaputte Fenster setzen, und - du kennst doch die große Kiste, die im Lastwagenschuppen gestanden hat?"
Ja."
„Nu, er hat zu Sawkins gesagt, er soll sie zersägen und den Steinfußboden in der Malerwerkstatt damit zudecken. Da ist's jetzt vielleicht prima! Ich hab den ganzen Dreck unter den Bänken rausgeräumt, und sie haben uns zwei Sack Koks vom Gaswerk geschickt, und der Alte hat zu mir gesagt, wenn's alle ist, soll ich von Miss Wade neuen bestellen lassen."
Um ein Uhr war Owen auf dem Gerätehof und sprach mit Elend; der gab ihm den Auftrag, er möchte in den Laden gehen und einige Nummern an die Fächer malen, in denen die Tapetenrollen lagen. Während er diese Arbeit ausführte, kam Rushton herein und grüßte ihn sehr freundlich.
„Ich bin sehr froh, dass Sie mir mitgeteilt haben, wie der Junge in der Werkstatt da arbeitet", sagte er nach einigen einleitenden Bemerkungen. „Ich versichere Ihnen, ich will nicht, dass der Junge 's unbehaglich hat, aber Sie wissen ja, ich kann mich doch nicht um alles selber kümmern. Ich bin Ihnen sehr verbunden, dass Sie's mir gesagt haben; ich denke, Sie haben ganz richtig gehandelt; ich hätt dasselbe gemacht."
[[Owen wusste nicht, was er darauf antworten sollte; Rushton aber ging davon, ohne es abzuwarten.]]

 

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